Aktuelles

Auf ein Wort


Liebe Schwestern und Brüder,

 

wieder stehen wir am Ende eines Jahres – und wieder ist unsere Welt ein Stück weiter weg von Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden.

Und nun wird uns zum Anfang des neuen Jahres eine Losung mit auf den Weg gegeben, die allem zu widersprechen scheint, was wir in diesen Tagen sehen und erleben:

Alles, was Ihr tut, geschehe in Liebe. Paulus hat das so an die Gemeinde von Korinth geschrieben.

Ja, Liebe, schön wär’s! Doch es scheint so, als hätte der Hass die Herrschaft übernommen. Als wäre der neu aufgeflammte Krieg im Nahen Osten nicht genug, gibt es auch in unserem Land Gruppierungen, die sich feindlich gegenüberstehen. Und es gibt wieder offenen Judenhass – beschmierte Türen, Brandsätze auf Synagogen, jüdische Menschen, die sich nicht sicher fühlen. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas noch einmal möglich sein würde. Mir fehlen die Worte angesichts dieser Entwicklung und ich empfinde Abscheu, Zorn und tiefe Traurigkeit. Haben wir gar nichts gelernt?

Doch das gilt auch mir: Alles, was Ihr tut, geschehe in Liebe. Was sagt mir das angesichts von Hass und der Zerstörungswut? Paulus mahnt mich, dass ich mich selbst nicht vom Hass überwinden lasse. Er hat gut reden, oder? Da fällt mir ein, dass Paulus selbst viel ertragen musste: Anfeindungen, Gefangenschaft, Schläge und am Ende den Tod. Er wurde vermutlich in Rom hingerichtet. Doch er hat selbst immer versucht, alles in Liebe zu tun, niemandem etwas Böses zu wünschen oder anzutun. Es lässt sich kein Hass in Paulus‘ Briefen finden.

Alles, was Ihr tut, geschehe in Liebe. Mir gefällt das Kunstwerk, das Ulrike Wilke-Müller zur Jahreslosung geschaffen hat. Die vorherrschende Farbe ist grün, symbolisch für Hoffnung. Hände (Gottes Hände?) halten ein Herz. Es sieht zerbrechlich aus, schutzbedürftig.

 

ZUM NEUEN KIRCHENJAHR
Doch um wirken zu können, darf die Liebe nicht eingeschlossen sein. Und das ist sie hier nicht. Nach unten hat sie Halt, ist sie sicher, nach oben geht von dem Herz etwas aus wie eine Flamme, ein warmes Licht, in dem ein weißes Kreuz leuchtet. Liebe flammt auf aus der Hoffnung und geht aus in die Welt.
Das geschieht an Weihnachten. Im Kind in der Krippe kommt die Liebe und das Licht Gottes zu uns. Und das gibt mir Hoffnung, vor allem in dieser Zeit, die mir wenig Grund gibt, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Da erscheint ein Licht und alles, was zur Finsternis gehört wird überstrahlt und ausgelöscht: das Böse, die Sünde, der Hass. Dieses Licht leuchtet auch in mein Herz und vertreibt alle Schatten.
Alles, was Ihr tut, geschehe in Liebe. Das Weihnachtslicht, das mir geschenkt wurde, ich soll es weitertragen. Gerade dorthin, wo Streit ist, wo Unfrieden herrscht, wo sich der Hass zeigt. In die großen Kriege und Konflikte kann ich nicht eingreifen. Doch dort, wo ich lebe, kann ich versuchen, zu versöhnen, zu helfen und solidarisch zu sein mit jenen, die leiden unter dem Bösen. Und manchmal genügt ein Lächeln, ein gutes Wort, eine Tasse Tee um die Welt ein wenig freundlicher zu machen, um das Licht aufscheinen zu lassen und mit ihm den Glauben, das nicht alles verloren ist, dass es doch etwas Gutes gibt in dieser Welt.
So gehen wir in das Weihnachtsfest und in das neue Jahr mit einem Auftrag: Alles, was Ihr tut, geschehe in Liebe. Das ist nicht leicht, doch ich will mich dem stellen und dort, wo ich versage, werde ich von Gottes gütigen Händen gehalten und darf neu anfangen.
Gottes Liebeslicht weitertragen. In einem schönen alten Weihnachtslied von Kaspar Nachtenhöfer, wird das so formuliert:

Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne,
bestrahle mich mit deiner Gunst,
dein Licht sei meine Weihnachtswonne            Ich wünsche Ihnen allen
und lehre mich die Weihnachtskunst,               eine frohe, friedliche
wie ich im Lichte wandeln soll,                           und gesegnete Advents-
und sei des Weihnachtsglanzes voll,                  und Weihnachtszeit und
Kaspar Nachtenhöfer                                            ein gutes neues Jahr 2024!
               
                                                                                  Petra Leukert