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GEMEINDE vor ORT… GEMEINDE unterwegs

Besinnung zum Titelbild

Liebe Gemeinde,

seit März ist in diesem Jahr vieles anders. Und so wird es auch zum Weihnachtsfest sein. Die Welt, in der wir leben, ist zerbrechlicher geworden. Wir haben nicht mehr alles so im Griff, wie wir es bis dahin meinten.

 

Besser erkannt haben das unsere Vorfahren. Zu bemerken ist das auch in der Kunst. Deutsche und niederländische Maler des zu Ende gehenden Mittelalters haben die Geschichte von Bethlehem oft auf ihren Bildern festgehalten. Merkwürdig ist, dass nur selten dabei ein festes Haus oder ein guter Stall zu sehen ist. Oft legen sie das Kind in die Ruine einer Kapelle ab. Gefährlich zerfallen sind die Mauern. Jeden Augenblick droht das Gebäude einzustürzen. Früher, da war es mal schön gewesen.

 

Ein treffendes Bild für die Welt, wie sie ist und so wie wir sie uns zurechtlegen. Die Sehnsucht nach einer heilen Welt hat auch mit Weihnachten zu tun. Jesus hat sich ihr ausgeliefert. So malt auch der Niederländer Rogier van Weyden (1399 – 1464) sein Bild, das auf der Titelseite dieses Gemeindebriefes zu sehen ist.

 

Im Hintergrund ist eine Stadt mit einer prächtigen Kathedrale zu sehen. Im Vordergrund steht eine beschädigte Kapelle auf freiem Feld. Abrissreif, unansehnlich, kaum Schutz bietend gegen Kälte und Regen. Schutzlos ausgeliefert ist das Kind, das uns doch Geborgenheit schenken will. Marias Blicke sind ihm zugewandt. Josef hält ungeschickt eine brennende Kerze in der Hand. Immerhin geht sie nicht aus. Der festlich gekleidete Beter, in sich versunken, Raum und Zeit vergessend, nimmt die Stelle der Hirten ein.

 

Über dem abbruchreifen Haus schweben Engel. Zu entdecken sind sie auch zwischen den Menschen und Tieren als Zeugen einer anderen Welt. Sie begleiten unser Verlangen nach Frieden und

 

Geborgenheit. Gerade, weil wir nicht wissen, wie es in der Gegenwart und Zukunft weitergehen wird.

 

Hermann Hesse hat in seinem Gedicht „Der Heiland“ auf den Punkt gebracht, was seit Weihnachten immer wieder geschieht:

„Immer wieder wird der Mensch geboren, spricht zu frommen, spricht zu tauben Ohren, kommt uns nah und geht uns neu verloren.

Immer wieder muss er einsam ragen, aller Brüder Not und Sehnsucht tragen, immer wieder wird er neu ans Kreuz geschlagen.